Da ist man gerade ein paar Tage anderweitig beschäftigt (womit, erfahrt Ihr später an dieser Stelle), und verpaßt doch direkt, wie sich diverse christliche Blogger auf den guten alten Kieler Silberrücken Kris Köhntopp einschießen, und dabei ein ganz großes Faß aufmachen. Das kann ich als alter Berufsheide ja nicht unkommentiert lassen.
So heißt es bei einem “Thoralf” - sein Name paßt zu seiner Gesinnung
genausogut wie mein Vorname zu der meinen - unter dem bezeichnenden
Titel “Katholikenbashing”:
Wenn Du sagst es gibt keinen Gott, gibt es für Dich nur das Leben im Hier und Jetzt.
Wenn Du sagst es gibt ein höheres Wesen und das ist nicht der Gott, der
von sich selbst sagt "Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr,
der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige." (Offb
1,8) dann hast Du nur das Hier und Jetzt.
Wenn Du Dir Deine eigene Religion gemacht hast, hast Du nur das Hier und Jetzt.
Wenn Du Dich selbst in den Mittelpunkt stellst, hast Du nur das Hier und Jetzt.
Wenn Du das willst, dann lebe damit.
Diese Sätze zeugen von grenzenloser Überheblichkeit. Vor 1000 Jahren, bevor das Christentum mit Schwert und Axt in die Köpfe des durchschnittlichen Germanen geprügelt wurde, hätte Thoralf (der damals seinen Namen noch verdient hätte) so über Wotan und Donar gesprochen - Religion ist nie absolut, sondern immer ein Zeugnis der Zeitgeschichte. Es gibt die Möglichkeit, und jetzt aufgemerkt, an andere Götter zu glauben, als Du es tust.
Euer “Gott” oder “Jesus” hieß früher anders, er heißt woanders anders, hoffentlich heißt er hier bald wieder anders, und er ist stets nichts anderes als ein Werkzeug, um die eigene Existenz rechtfertigen zu können. Wie Kris schon sagte - eine grundsätzlich externalisierte Ethik und Weltsicht. Verfolgt man die Art von Religion, die der in praktisch allen Völkern früher praktizierte Paganismus (heute auch als Asatru bekannt) lehrte, begreift man die Götter als Helfer, oder auch gerne mal als Stolpersteine, die im Grunde machen, was sie wollen, aber auch den Menschen machen lassen, was sie wollen. Keine allmächtigen Schöpfer, die nun ihren unergründlichen Erschaffer-Masterplan verfolgen, sondern Leute, denen nichts menschliches fremd ist und die auf jeden Fall für eine Story gut sind. Aber dafür habt Ihr ja jetzt ARTE.
Daß sich jetzt so viele Leute von den großen christlichen Kirchen abwenden, liegt nicht zuletzt an deren Ratlosigkeit in weltlichen Dingen. Dem lieben Gott gefällt es in seinem unergründlichen Ratschluß, das schöne (und ausgesprochen christliche) Bayern zu überfluten und selbst seine ureigensten Stätten, katholische Klöster nämlich, nicht zu verschonen? Könn’wa nix dran machen. Ohne Verhütungsmittel erkranken weltweit jährlich Millionen arme Seelen an HIV? Tja, shit happens, die dürfen halt nicht rumpoppen. Außerdem zahlen die Afrikaner eh’ alle keine Kirchensteuer.
Lieber Thoralf, “die Jugend” hat nicht keine Werte mehr, sondern die falschen. Etwas Rückbesinnung auf unsere Wurzeln, und die liegen nun einmal nicht im Christentum (frag mal Mami, wo Dein Vorname herkommt) tut bisweilen ganz gut, anstatt falschen Götzen wie Klingeltönen, Popkultur-Päpsten oder Weltjugendtagen hinterherzulaufen.
Uwe Tetzlaff hingegen schmeißt in seinem Eintrag “Theophobe Eiferer” aus dem Glashaus mit ganz großen Steinen. Vermutlich mit gesegneten, man weiß es nicht. Zunächst kommt der unvermeidliche Weltkriegsvergleich aus der Kiste, schließlich ist ein friedliches Treffen immer besser als böse bewaffnete Konflikte. Was das damit zu tun hat, daß es Menschen gibt, die einen (auch staatlich) subventionierten WJT nicht toll finden, erschließt sich mir nicht auf Anhieb. Aber dann die Toleranzkeule. Schließlich sind die, die öffentlich sagen, sie hielten nichts von organisierter Kirche, entweder modeverliebte Gecken, die den neuesten Trends hinterherhecheln, oder aber bigotte Eiferer, die den schlimmsten Katholiken (so lese ich die entsprechende Passage mal) nichts nachstünden.
Im Gegensatz zu Herrn Gemeinderat Tetzlaff kenne ich Kris persönlich, und kann weder an seiner Person noch an seinem Blogposting irgendwelche Bigotterie ausmachen - wohl aber an dem Posting, mit dem sich Tetzlaff versucht, gegen die Kritik an seiner Kirche, seinem Weltjugendtag, und seinem Glauben zu wehren. Letzterer ist mir im Prinzip sogar schnuppe, wer an tote Juden an Kreuzen glauben will, soll dies tun. Ich glaube an unsterbliche Leute auf großen Bäumen, die mit Hämmern Blitze schleudern und gegen Wölfe kämpfen, die die Sonne fressen wollen - das ist ähnlich fantasievoll, jedoch mit Sicherheit eines nicht - opportun. Im Gegenteil: Niemand ist schneller in der Naziecke als Wotansjünger, und diese Vergleiche sind allzuoft nicht nur von tiefer Unkenntnis, sondern auch von christlicher Propaganda geprägt. Was mich wirklich nervt, ist die Tatsache, daß diejenigen, die andere der Bigotterie und Intoleranz bezichtigen, selber von dieser nur so triefen.
Wer nämlich einerseits von Toleranz spricht, aber andererseits keinen weiteren Ausweg weiß, als Andersdenkende öffentlich zu beleidigen, der sollte sich das mit dem Bloggen echt nochmal überlegen. Und ein Zitat wie
Heutzutage gilt es als schick Buddhist zu sein oder Esoteriker. (Es ist
auch so herrlich bequem, undefiniert und unanstößig.). Christ zu sein
ist out - “das sind die von vorgestern.”
ist nun einmal nichts anderes als ein arroganter Schlag ins Gesicht aller Andersgläubigen, deren Organisationen nicht wie die Angehörigen der Amtskirchen in den Genuß einer eigenen Steuer, 1A-Immobilien und staatlicher Vergünstigungen kommen. Abschätziger geht es wirklich nicht - Religion ist kein Klingelton, nur weil sie nicht “Christentum” heißt. Auch Euer ach-so-gepriesenes Christentum ist nichts anderes als eine Sekte, die mit ihrer Weltanschauung nichts besser ist als meinetwegen Scientology - nur dank geschickten Marketings und einiger kleinerer bewaffneter Konflikte wesentlich größer. Denkt mal an Eure eigenen Wurzeln, bevor Ihr in einer derart herablassenden Art über die Angehörigen anderer Glaubensrichtungen urteilt.