Im Zuge meines Darstellungswechsels (vom Hochmittelalter ins Frühmittelalter, 10. Jahrhundert) wollte ich auch einen neuen Körperpanzer anschaffen, der etwas mehr Funktionalität als das alte Kettenhemd hat. Das ist als Schlagschutz nämlich denkbar ungeeignet und Stiche zum Körper sind im Freikampf keine Gefahr. Neben einem einigermaßen vollständigen vernieteten/gestanzten Kettenhemd, das in Gjermundbu gefunden wurde, existieren aus der Wikingerzeit wohl relativ wenige Belege für Rüstungsteile; am nächsten dran sind noch einige in Schweden (Birka) gefundene Stahllamellen, die wohl Teil eines Lamellenpanzers waren. Diese Panzer sind aus späteren Zeiten und anderen Regionen bekannt - da die Waräger eine rege Reisetätigkeit gen Byzanz unternommen hatten, ist es wohl nicht zu weit hergeholt, daß Lamellenpanzer im 10. Jahrhundert bekannt, wenn auch nicht unbedingt sehr beliebt waren. Sagas berichten wohl davon, daß Krieger ihre Rüstung wegen des zu warmen Wetters vor der Schlacht im Lager ließen und lieber ohne kämpften.
Für Freischlachten, Huscarl etc. ist eine vernünftige Rüstung aber unumgänglich, also sollte es eine Lamellenrüstung werden. Diese Rüstungen werden typischerweise aus Leder- oder Stahl-Lamellen hergestellt. Lederlamellen sind mir ungehärtet aber zu lasch; an Wachshärtung traue ich mich (noch) nicht heran. Also muß es eine Stahlrüstung werden. Auch gut. Eine schöne Bezugsquelle für stählerne und lederne Lamellenrüstungen ist der polnische Händler Wojmir, der die Stahl-Lamellen bei einer recht moderaten Mindestabnahme von 1000 Stück sehr günstig verkauft. Dort angefragt, nannte er mir auch die ungefähr benötigte Menge für mein Vorhaben und einen Tag nach Zahlungseingang gingen die guten Stücke dann auf die Reise.
Nachdem d
ie Lamellen da waren, übrigens in einem winzigen Paket mit sehr großem Gewicht (12kg auf 15*10*5cm), mußte ich noch im lokalen Lederwarenladen große Mengen Vierkantbänder kaufen. Von diesen Bändern hatte Ragnar mir zwar abgeraten, ich kam aber nicht in moderater Zeit an einen ordentlichen Riemenschneider, um selber Bänder zu schneiden - also mußten es die vorgefertigten tun. Insgesamt habe ich 40 Bänder à 1,50m gekauft.
Nach dem Auspacken (siehe Bild) ging es an die ersten Versuche. Und siehe da, das Lamellenfädeln ist nicht ansatzweise so nervig und anstrengend wie die Herstellung von Kettengeflecht, sondern geht erstaunlich leicht von der Hand. Erste Lamellenstücke waren schnell fertig (siehe auch Bild).
Nachdem die erste Reihe komplett war, konnte ich mal den notwendigen Umfang messen - es sind bei mir 74 Lamellen für einen Körperumfang von etwa 99cm. Also ging’s ans Lamellen-Knoten...